Gestern Morgen, kaum war der Wecker aus, hatte mein Kopf schon den ganzen Tag durchgeplant: Mails beantworten, Einkauf, Kursvorbereitung, der Anruf, den ich seit Tagen vor mir herschiebe. Mein Körper lag noch im Bett, mein Geist war schon zwei Schritte voraus. Und die Schultern – die zogen sich zusammen, bevor ich überhaupt einen Fuß auf den Boden gesetzt hatte.
Du kennst das wahrscheinlich auch.
Im November 2025 hat die Techniker Krankenkasse ihren vierten Stressreport vorgestellt. Die Zahlen sind eindeutig: 66 Prozent der Menschen in Deutschland fühlen sich häufig oder manchmal gestresst. 2013 waren es noch 57 Prozent. Der Stress wächst – Jahr für Jahr. Was die Menschen am meisten unter Druck setzt, ist übrigens nicht die Arbeit, nicht die Weltlage, sondern: der hohe Anspruch an sich selbst – mit 61 Prozent der meistgenannte Stressfaktor.
Das hat mich getroffen. Denn genau das war es, was mich an diesem Morgen schon vor dem Aufstehen umfangen hatte: nicht die Aufgaben selbst, sondern mein Anspruch, sie alle gut zu schaffen.
Achtsamkeit ist kein Programm, das diesen Anspruch wegzaubert. Aber sie hat ein anderes Geschenk: Sie schenkt dir die ersten Minuten des Tages zurück. Bevor der Kopf die Regie übernimmt.
Drei kleine Übungen für einen achtsamen Morgen
- →Drei bewusste Atemzüge im Bett. Noch bevor du aufstehst. Spüre, wie der Atem kommt und geht. Mehr nicht. Diese 30 Sekunden setzen ein leises Signal: Ich bin schon da, bevor der Tag anfängt.
- →Eine kleine Geste, die dir gehört. Ein Glas Wasser am Fenster. Den ersten Schluck Tee oder Kaffee wirklich schmecken. Einen Moment am offenen Fenster stehen und den Vögeln zuhören – im Mai sind sie wieder da. Es geht nicht um Zeit, es geht um Aufmerksamkeit.
- →Eine Frage statt einer Liste. Statt im Kopf die To-dos abzuhaken: Was ist heute das eine, das wirklich wichtig ist? Eine Sache. Der Rest reiht sich danach.
Diese drei kleinen Dinge dauern zusammen vielleicht drei Minuten. Sie ändern nichts an dem, was vor dir liegt. Aber sie ändern etwas daran, wie du dem begegnest, was vor dir liegt.
Und das ist eigentlich das Einzige, was wir tun können – im Kleinen wie im Großen.
Wie startest du in deinen Tag? Schreib es mir gern, ich freue mich, von dir zu lesen.
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